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Besprechung: Sex, Erotik, Liebe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, 12. Januar 2009 um 01:00 Uhr

Sex, Erotik, Liebe - Band 1  Sex, Erotik, Liebe - Band 2 Sex, Erotik, Liebe - Band 3 

 

Besprechungen der Bände "Sex, Erotik, Liebe"   Adalbert Podlech: „Sex, Erotik, Liebe. Der Umgang der Männer mit Frauen durch die Jahrtausende, ermittelt aus Sprachen und Texten. Alliteraverlag in München, drei Bände, je 49 Euro.   

Fritz Deppert im "Darmstädter Echo" vom 4. Februar 2008:  

Vom Wort zur Lust "Sex, Erotik, Liebe" – Ein dreibändiges Werk des Darmstädters Adalbert Podlech untersucht die Sprache der Gefühle Adalbert Podlech, der in Darmstadt lebende Emeritus der Technischen Universität, hat ein dreibändiges Werk mit rund 1500 Seiten über Sex, Erotik, Liebe verfasst, das den Umgang der Männer mit Frauen durch die Jahrtausende aus Sprachen und Texten ermittelt, beginnend mit dem Sanskrit bis hin zum Minnesang.  Seine Darstellung verfährt zweigleisig. Zunächst beginnt er alphabethisch die themenbezogenen Wörter zu sammeln, um sie dann in Fußnoten vor allem durch Textbeispiele zu erläutern. Die Wortsammlungen werden durch eingeschobene Exkurse unterbrochen. In ihnen stellt er jeweils eine für das Verhältnis der Geschlechter typische Verhaltensweise dar. Auf diese Weise entsteht ein Kosmos menschlichen Denkens und Handelns für die jeweils beschriebene Epoche. Behandelt werden außer dem Sanskrit und dem Minnesang Sex, Erotik und Liebe im Alt-Ägyptischen, im Alt-Griechischen (Band 1), im Hebräischen, Lateinischen (Band 2), im mittelalterlichen Latein und im Arabischen (Band 3).Man kann den speziellen Wortschatz nicht ausführlicher zusammentragen und darstellen. Dabei stellt sich heraus, dass zum Beispiel die Sprecher des Sanskrit für Sex und Liebe über einen sehr viel fantasievolleren und detaillierten Wortschatz verfügten als wir, die wir  lexikalisch nicht viel mehr Wörter finden als Beischlafen Ficken und Vögeln; und selbst für diese Wörter sind manche Lexika zu prüde. Der Wortschatz des Sanskrit,, verfügt über zahlreiche Varianten, die zu Genauigkeit der Benennungen und zu beeindruckender Bildhaftigkeit führen. Der für den Leser lehrreichere und vergnüglichere Genuss wird jedoch durch die Schlüsse, Kommentare des Verfassers und durch die Textbeispiele erzeugt. Wir können uns einerseits Wissen verschaffen, andererseits mit den durch die Lektüre angeregten Sinnen erfahren, wie Männer und Frauen Lust suchen und Lust finden, und vor allem „wie Männer (seit Beginn der Hochkultur) dabei mit Frauen umgehen. In diesen wesentlichen Teilen der Bücher kommt der Leser auf seine Kosten, sowohl was das Wissen betrifft, also den Einblick in die Historie, als auch die Erkenntnis, wie sie in den Schlussbemerkungen formuliert wird und auch für viele gegenwärtigen Gesellschaften noch nicht an Bedeutung verloren hat; umschreiben kann man das mit den Wörtern Liebes, Lust und männliche Gewalt. Neben den Texten der sinnlichen Lust oder der Züchtigung der ungehorsamen Frau, die der Mann in allen vorgestellten Kulturen als sein Recht ansah (sogar Siegfried verprügelt Kriemhilde), finden sich ebenfalls auch zarte und sprachlich wunderschöne Liebesgedichte wie die altägyptische Liebeslyrik oder das Hohe Lied Salomons.Man kann dieses umfassende Kompendium auf dreifache Weise lesen: als reich kommentiertes Wörterbuch, als Kultur- und Sittengeschichte aller Spielarten von Liebe, Sex und Erotik und als die Fantasie beflügelnde Anthologie von Texten von der Rig-Veda bis zu Oswald von Wolkenstein. Lesern, die vor dem Umfang des Werkes verzagen, sei gesagt, dass man auch jeden Band für sich studieren kann und dass der Verfasser sein Fazit in alle drei Bände aufgenommen hat.Das in den Schlussbemerkungen formulierte Ergebnis vermittelt uns die Unbefangenheit und Offenheit, mit der die alten Völker mit der Sexualität umgingen, obwohl auch hier die Frau sehr oft Lustobjekt wird und in der Regel der Mann die Macht über die besitzt. Der Geschlechtsverkehr in allen Varianten wird bei Namen genannt, ohne dass diese Völker die in unseren Ohren drastische klingenden Benennungen obszön empfanden. Erst das Christentum hat mit seiner Prüderie und dem vorgeschrieben Zwang, Sex nur zur Erzeugung von Kindern auszuüben, diese Offenheit in die Vulgärsprache der Unterschichten oder hinter die vorgehaltene Hand der sogenannten oberen Schichten verdrängt und aus den Kulthandlungen und Gottesdiensten eliminiert. Podlech nennt dies einen „großen, nicht wiederbringlichen Verlust der Menschheit“. Im Minnesang kann man die daraus resultierende Doppelmoral sehr gut an den abgedruckten Texten nachvollziehen; sie stellen neben die Herrin, die in reiner Liebe verehrte Frau, die andern, Bäuerinnen, Mägde zum Beispiel, die zum Freiwild und mit Gewalt dem Willen des „ritterlichen“ Mannes unterworfen werden. Neben diesen Erfahrungen der Lust wird jedoch durch die Jahrhunderte die Unterdrückung der Frau durch den Mann erkennbar. Zwar fordern die Sanskrittexte auch die Lust der Frau ein, aber schon damals und sich in den nachfolgenden Gesellschaften fortsetzend haben Frauen zu gehorchen und können bestraft werden, wenn sie sich der Lust des Mannes verweigern. Die Angst des Mannes vor der Frau dokumentiert sich wiederum in hebräischen und arabischen Texten, die durch Verhüllen der weiblichen Reize den Mann vor Versuchung schützen wollen und dies als gottgewollte Ordnung begreifen, das geht so weit, dass man in islamischen Texten lesen kann, der Mensch sei bekleidet von Gott geschaffen worden und habe erst mit den Sündenfall die Nacktheit entdeckt, weil der Satan ihm die Kleider auszog.Nach diesen Einsichten erwartet den Leser ein besonderes Vergnügen beim Studium der meist literarischen Textbeispiele. Da knistert die Erotik, da singt die Liebe und der Sex pornografiert. Das Belehrende wird mit prallem Leben erfüllt; man spürt, mit welch unermüdbare Vergnügen der Verfasser Texte gesammelt und kommentiert hat und wünscht sich, dass diese Fundgrube für Wissenschaftler, Historiker, Kulturwissenschaftler, Verhaltensforscher und Psychologen eine Fortsetzung über das Mittelalter hinaus fände.    

Wilhelm Steinmüller in "Psychologie heute“, März 2008:  

Herr über den Körper der Frau Adalbert Podlechs akribische Recherchen belegen, dass durch die Jahrtausende Männer bestimmten, wie Sex, Liebe und Erotik ausgelebet wurden  Was veranlaßt einen gefeierten Wissenschaftler, ein solches Werk über Sex und Liebe zu schreiben? Aus einer ursprünglich geplanten historischen Untersuchung über die Bedeutung der islamischen für die mittelalterliche Philosophie entstand ein dreibändiges Werk, das den "Umgang der Männer mit Frauen durch die Jahrtausende" schonungslos enthüllt.Der Autor Adalbert Podlech, emeritierter Professor für Öffentliches Recht an der Technischen Universität Darmstadt, erklärt, wie er begann, sich für die Sexualität zu interessieren: "Seit jeher ärgere ich mich über den Ausdruck 'mit jemand schlafen'. Man schläft ja nicht..." Sein besonderes Augenmerk galt den alten Worten der „Liebe“, wenn schon die jetzigen verdorben waren: "Unsere (heutige) Sprache gestattet nur klinisch saubere oder obszöne Formulierungen, .... bis in die Wissenschaft hinein" So begann Podlech, aus acht alten Kulturen Texte über die "Liebe" und ihre 'Spielarten' möglichst zu sammeln und sie sprachlich zu analysieren, um herauszufinden, was 'mann' jeweils darunter verstand. Belege und Kommentare kamen hinzu, insgesamt 80 Exkurse wurden erforderlich, bis die Darstellung 3000 Jahre umfaßte: vom Sanskrit und Altägyptischen über griechische, lateinische und vor allem arabische Texte sowie die hebräische Bibel - das Neue Testament ist bei den anderen Quellen eingearbeitet - bis zum Ende des lateinischen Mittelalters, stets unter klarer Schilderung der Unterschiede, und mit manchmal überraschenden aktuellen Bezügen.Entstanden ist ein höchst erotisches und zugleich intellektuell anspruchsvolles Lesevergnügen - für Männer allerdings auch tief beschämend. Podlech nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. "Die Recherchen haben mir Freude gemacht und Lust bereitet, aber ihr Ergebnis hat mich auch tief getroffen. Die Männerordnung war zu allen Zeiten gegenüber Frauen inhuman. … Nur vereinzelt habe ich Belege für die Ausnahme gefundenEs ist kaum zu fassen, welchen erotischen Reichtum der Gelehrte hier ausbreitet, und welches Leid hinter den Texten steht. Ein paar Überschriften aus dem arabischen und dem hebräischen Teil mögen zeigen, worum es - vornehmlich den Männern - ging: "Frauen schlagen", "Lustklavin" oder "Sehnsucht des Mannes: die wilde Frau".Besonders "reichhaltig" die Stellen aus dem Sanskrit: ("Die durch Nägelmale gezeichnete Geliebte" - "Die gebissene Geliebte" - "Die Geschlagene" und der römischen Kaiserzeit. Der Autor zieht ein wahrlich brutales Resümee über 3000 Jahre Patriarchat: "Für alle diese Gesellschaftsordnungen gilt, daß der Mann den Körper der Frau als sein naturgegebenes Operationsfeld betrachtet und daß die Lage beim Geschlechtsakt eine wichtige und meist kontroverse Rolle spielt. In keiner der untersuchten Kulturen ist die Frau als Frau vor dem Zugriff von Männern geschützt. Sexuelles Begehren von Männern ist nur durch die Rechte anderer Männer an dem Körper von Frauen eingeschränkt: die der Väter, der Brüder oder der Eheherrn. Dass Männer Frauen schlugen und dazu das Recht hatten, Frauen zu schlagen, war immer selbstverständlich. Keine der monotheistischen Religionen hat an alldem ernsthaft und auf Dauer etwas verändert. Soweit Religionsstifter die Lage der Frauen verbessern wollten, haben die - ja immer männlichen - Verwalter der heiligen Texte die bleibende Herrschaft der Männer über den Körper der Frau durchgesetzt." Wer immer noch meint, dies sei ein doch eher historisches Werk, der kennt den stets auch politisch engagierten Verfasser schlecht. So bezieht Podlech etwa Stellung zu dem Thema Zwangsverheiratungt - mit in Deutschland bisher ungehörter Deutlichkeit. 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 12. Januar 2009 um 23:44 Uhr
 
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