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Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, 29. Januar 2009 um 13:30 Uhr

Podlech

Wappen Podlech

Auf die Frage "Was bin ich?", gemeint ist als Landsmann, kann ich nur antworten: Mitteleuropäer. Mein Großvater väterlicherseits war Ostpreuße, meine Großmutter, eine geborene Bub, Badenserin, mein Großvater mütterlicherseits, ein Gschwend, war Schweizer und meine Großmutter, eine geborene Laurence, war eine Wallonin. Was also bin ich?


Die Vorfahren väterlicherseits

Im Deutschen Geschlechterbuch, Stand 1964, wird zur Herkunft des Namens berichtet, daß im Jahre 1310 das Dorf Podlechen bei Heilsberg, dem heutigen Lidzbark Warminski, als adlig-kulmisches Gut an einen ritterbürtigen Lübecker Bürgerssohn namens Johannes Padeluche vergeben wurde. Nach der "Alrtpreußischen Biographie" wurde Johannes Padeluche um 1270 als Sohn des Lübecker Bürgers Heinrich Padeluche in Lübeck geboren. Die Familie nannte sich nach dem Lübecker Stadtgut Padeluche. Johannes verkaufte um 1293 sein Grundstück in der Stadt und wandte sich im Zuge der lübischen Einwanderung nach Preußen. Später gründete die Familie, die zum Umkreis des Bischofs des Ermlandes gehörte, durch Binnenwandrung noch einen Ort Podlechen im späteren Kreis Rastenburg, dem heutigen Ketrzyn. Offensichtlich gehen die heute weit verstreuten Podlechs auf diese Familie zurück. Ich selbst habe nicht weiter recherchiert, aber weitere interessante Angaben gefunden unter http://www.podlech.com/Woher.pdf.

In den Erzählungen meines Vaters ging die Familiengeschichte wohl in Dichtung und Wahrheit etwas durcheinander. Er erzählte, sein Vater habe ihm erzählt, ein pruzzischer "Räuberhauptmann" Padeluke habe sein Land dem Deutschen Orden übertragen müssen und von diesem als Lehen zurückerhalten. In Heilsberg, wo die Podlechs zuerst in Ostpreußen auftauchen, befand sich tatsächlich eine alte pruzzische Burg, an deren Stelle dann 1241 eine Burg des Deutschen Ordens trat. Irgendwie verlegte mein Vater aber die Geschichte an die Samländische Küste. Dort habe sein Großvater Adalbert, katholischer Konfession, in dem Ort Podlechen ein Gut besessen, das er "versoffen" habe. Sein Vater Adalbert, also mein Großvater, 1832 geboren und ein "Schwittje", was wohl jiddisch ist und "Nichtsnutz" bedeutet, sei dann zuerst Gutsverwalter gewesen, das sei aber nicht gut gegangen, und dann habe er "mit Siemens" im Krimkrieg (1853-1856) die Telegraphen-Linie Sewastopol – Moskau gebaut. Das war wohl eine etwas euphemistische Formulierung. Die Firma Siemens & Halske begann von Berlin aus 1853 mit dem Bau russischer Telegraphenleitungen, bis dann 1855 Carl von Siemens, einer der insgesamt genialen Brüder Siemens, in Petersburg die russische Zweigniederlassung der Firma Siemens & Halske gründete. Er ist wohl der Siemens, den mein Vater meinte. Vielleicht hat mein Großvater damals die handwerkliche Feldmesserkunst erlernt. Denn anschließend trat er als handwerklicher Feldmesser – im Gegensatz zu den akademisch ausgebildeten Geodäten – in preußische Dienste, und als preußischer Beamter wurde er nach dem deutsch-französischen Krieg in das Reichsland Elsaß versetzt. Er war zwar jetzt 40 Jahre alt, aber ein lebenslustiger Junggeselle. Und so besuchte er von Colmar aus die Weinfeste in Baden und lernte dort irgendwann die blutjunge, 1870 geborene Auguste Bub kennen, Tochter eines Lehrers aus der Gegend um Bruchsal. Sie war fast 40 Jahre jünger als er. Sie heirateten und 1982 wurde mein Vater in Sundhofen geboren, heute in Colmar eingemeindet. Inzwischen war Kaiserzeit, und so hieß der Älteste nicht wie seit eh und je die Ältesten der Podlechs – und ich ja auch wieder – Adalbert, sondern Wilhelm. Erst der zweite Sohn erhielt den altehrwürdigen preußischen Namen Adalbert, während dann der dritte zu Ehren des großen Preußenkönigs Fritz genannt wurde. Nationale Zeiten! Meine Großmutter mußte ihren Ersten in Sundhofen ohne ehemännlichen Beistand zur Welt bringen, denn ihr Mann war inzwischen nach Schmalkalden versetzt worden, warum als preußischer Beamte aus den Reichslanden nach Thüringen, das weiß ich nicht.

Mein Vater studierte in München und Bonn Erdkunde, Geschichte und Deutsch. Als er Examen gemacht hatte, brach der Erste Weltkrieg aus. Mein Vater war hochgradig kurzsichtig und so wurde er nicht eingezogen. Aber seine beiden jüngeren Brüder wurden Soldaten, der eine Leutnant der Infanterie und der andere Leutnant als Flieger. Und beide fielen in den allerletzten Wochen des Krieges. Mein Großvater, der Schwittje, überwand dieses Leid nicht und starb 1920 in Schmalkalden im Alter von 88 Jahren. Im Zimmer meiner Großmutter hing ein großes Bild an der Wand, das einen ehrwürdigen alten Herrn zeigte mit einem langen, weißen Doppelspitzenbart. Es ist leider im Krieg verbrannt. Mein Vater erhielt nach dem Krieg keine Anstellung, war Journalist, in Fulda Stadtverordneter des Zentrums und freier Mitarbeiter der Fuldaer Zeitung, bis er dann eine Planstelle als Studienrat erhielt.


Meine Großeltern mütterlicherseits

Die Familie meines Großvaters mütterlicherseits stammt aus der Schweiz. Mein Großvater, meine vier Onkel, meine Vettern und Kusinen und auch meine Mutter hatten noch die Schweizer Staatsangehörigkeit. Das war nach dem letzten Krieg sehr nützlich, denn sie erhielten von dort Lebensmittelpakete. Da aber nur Männer (damals) die Schweizer Staatsangehörigkeit vererbten, war sie den Kindern der einzigen Tochter meines Großvaters verwehrt. Warum meine Urgroßeltern Gschwend aus der Schweiz in die Pfalz auswanderten, weiß ich nicht. Mein Großvater Josef studierte auf dem Konservatorium in Brüssel Kirchenmusik als Organist und Chorleiter. Dort lernte er die Ottilie Laurence, die Sängerin werden wollte. Aber sie heirateten und das hieß damals, sie hat nie öffentlich gesungen. Meine Großmutter war in mütterlicher Linie eine Nachfahre der berühmten Familie Fresenius aus Frankfurt.

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 19. Februar 2009 um 13:25 Uhr
 
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